Chronik der Feuerwehr Sprendlingen

Betzenkammer

Nachdem im Jahre 1875 bei einem Brand wegen unzureichender Löschmaßnahmen ein Wohnhaus und eine Scheune abgebrannt sind, überlegten sich einige junge Männer aus Sprendlingen eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in unseren Nachbargemeinden bereits ähnliche Überlegungen und darauf auch Gründungen von Feuerwehren.
In Sprendlingen war es dann am 14.03.1879 soweit.

In einer Gaststätte fanden sich 8 junge Männer zur Gründung ein. Hierbei handelte es sich um Georg Orth den 1, Georg Adam Schäfer, Christian Schäfer den 4., Wilhelm Hofmann, Friedrich Müller, David Störmer, Jakob Dreieicher und Georg Krämer den 3., der gleichzeitig zum 1. Kommandanten der Feuerwehr Sprendlingen gewählt wurde und dieses Amt bis 1922 bekleidete.
Sprendlingen hatte zu dieser Zeit knapp 2.500 Einwohner. Es waren einige Handwerksbetriebe, kleine Landwirtschaften, eine Holzhandlung und diverse kleinere Fabriken angesiedelt.

Die erste Unterkunft der Feuerwehr war die Betzenkammer am Lindenplatz (Bild oben), die zu dieser Zeit gleichzeitig auch als Ortsgefängnis diente. Hier wurden damals die ersten Ausrüstungsgegenstände untergebracht: es handelte sich um eine handbedienbare Druckspritze und einige Löscheimer.

Im Jahr 1890 konnte die Wehr ihr erstes Feuerwehrgerätehaus in der Eisenbahnstraße beziehen (Bild rechts), nachdem in den vergangenen Jahren die Ausrüstung ständig erweitert wurde. 1904 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert. Ab dem Jahr 1907 wurde in Sprendlingen mit dem Aufbau eines Wasserleitungsnetzes begonnen, was die Wasserentnahme bei Bränden und zur Trinkwasserversorgung erleichtern sollte. Bereits in den 20er Jahren schon konnte eine halbmechanische 10 Meter-Leiter in Dienst gestellt werden, die einen schnelleren Aufstieg in obere Gebäudeteile und Dächer ermöglichte.

FestzugAnno 1929 wurde das 50-jährige Bestehen mit einem großen Fest und einem Umzug begangen (Bild links).

Anfang der 30er Jahre dann zog langsam der technische Fortschritt ein. Es wurde eine 15 Meter-Leiter angeschafft. Da allerdings die Gemeinde nicht genügend Geld zur Verfügung hatte, streckte der damalige Kommandant, Bäckermeister Georg Adam Neubecker, das Geld vor. Die Verwaltung zahlte dann ratenweise das Geld zurück. 1932 kam zur Brandbekämpfung eine moderne 800 Liter Motorspritze von Metz dazu. Auch hierbei gab es seitens der Gemeinde wieder Zahlungsprobleme und die Wehr bezuschußte die Anschaffung mit dem Geld aus dem Festerlös von 1929.

Leiterwagen In Eigenleistung wurde darauffolgend im Jahr 1936, ein Mercedes PKW zu einem Feuerwehrfahrzeug umgebaut und mit einem Tragkraftspritzenanhänger zusammen in einer Garage im damaligen Rathaushof untergestellt (Bild rechts).

Im Jahr 1937 wurde Philipp Schäfer, genannt „Bombe Philipp“, in das Amt des Kommandanten gewählt, welches er bis zu seinem Tod im Mai 1958 ausübte (Bild unten links).

Bombe PhilipIn den Jahren 1938 bis 1945, während des 2. Weltkrieges, wurde die Feuerwehr in Feuerlöschpolizei umbenannt und die Fahrzeuge grün umlackiert. Nach Bombenangriffen wurde die Feuerwehr Sprendlingen dann auch in den Nachbarkommunen eingesetzt.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1945, wurde durch den damaligen Landrat Heil und mit großer Unterstützung von Georg Luft die Wehr neu aufgebaut.
Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Heil wurde 1948 beschlossen das Gebäude hinter dem Gasthaus zur Krone zu einem Feuerwehrgerätehaus mit 5 Wohnungen umzubauen. Dies waren die ersten neuen Wohnungen nach dem Krieg in Sprendlingen.

Der erste Kreisfeuerwehrtag nach dem Krieg wurde in Sprendlingen gefeiert und noch im selben Jahr wurden eine 17 Meter-Drehleiter, sowie ein gebrauchtes LF 15 in Dienst gestellt. Die 17 Meter-Drehleiter war aus einem aus Beständen der Amerikaner, gebraucht erworbenen GMC Fahrgestell, sowie einem ebenfalls gebrauchten Magirus-Leiterpark, in Eigenleistung aufgebaut worden.

FW-Haus SchulstraßeAm 14.05.1950 dann konnte das Feuerwehrgerätehaus in der Schulstraße bezogen werden. Dies geschah in Anwesenheit der Herren Landrat Heil, Bürgermeister Ebert sowie Kreisbrandinspektor Leichter (Bild rechts).
Im neuen Feuerwehrgerätehaus wurde dann im Jahr 1954 das 75-jährige Bestehen der Feuerwehr Sprendlingen in der SKG-Halle gefeiert.
Um dem Brandschutz in der ständig wachsenden Stadt Sprendlingen gerecht zu werden, wurde am 03.08.1957 der Feuerwehr ein neues Magirus Tanklöschfahrzeug übergeben. In dieser Zeit machte sich Georg Luft erstmals Gedanken eine Schülerwehr zu gründen was aber letztlich erst 1962 vollzogen wurde (Bild links).Jugend


Das Feuerwehrhaus wurde bereits 1960 um einen Anbau mit zwei Garagen und einem Unterrichtsraum erweitert und noch im Laufe des Jahres 1960 konnte das neue LF 8 in Karlsruhe bei der Fa. Metz abgeholt werden. Sprendlingen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 16.000 Einwohner.
1961 wurde Georg Adam Schäfer zum Ortsbrandmeister gewählt. Eine Rundsteueranlage zur Alarmierung der Feuerwehrleute wurde 1964 installiert. Im selben Jahr wurde ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 16 und im Jahr darauf eine moderne 30-Meter-Drehleiter beschafft. Bedingt dadurch musste ein weiterer Hallentrakt errichtet werden. Der Kreisjugendfeuerwehrtag wurde im August 1966 in Sprendlingen gefeiert.

Einer der größten Einsätze der Nachkriegszeit ereignete sich am 09.11.1968 beim Brand des Kaufhauses „DEKAPE“ in der Hauptstraße und noch im selben Jahr wird Georg Adam Schäfer zum Kreisbrandinspektor des Kreises Offenbach gewählt.

Die 10 Städte und Gemeinden des Westkreises Offenbach beschafften 1971 gemeinsam einen Rüstwagen 3 und stationierten das Fahrzeug in Sprendlingen. 1973 wurde von der Post ein Gebäude erworben und in Eigenleistung zu einem Unterrichtsraum umgebaut und Kurt Neumann noch im gleichen Jahr zum Stadtbrandinspektor gewählt.
Das erste in Hessen in Dienst gestellte LF 16 auf Mercedes-Frontlenkerfahrgestell ging 1976 nach Sprendlingen. 1977 wurde durch die Gebietsreform die Stadt Sprendlingen ein Teil der neugegründeten Stadt Dreieich, zum ersten gemeinsamen Stadtbrandinspektor der jungen Stadt wählte man damals Georg Adam Schäfer.  Auch in dieser Zeit, wurde in Sprendlingen das erste hydrauliche Spreiz-und Schneidgerät in Betrieb genommen.

Der 73. Kreisfeuerwehrtag wurde 1979 anlässlich des 100 jährigen Bestehens der Feuerwehr in Sprendlingen gefeiert. Durch die Einstellung der ersten hauptamtlichen Kräfte mussten 1980 erneut bauliche Veränderungen am Feuerwehrhaus vorgenommen werden. 1981 kam es nach sehr starken Regenfällen zu einer großen Anzahl von Einsätzen. Diese erstreckten sich über mehrere Tage. Um auch in Waldreichen Gebieten einsatzfähig zu sein, wurde dann im Oktober das Tanklöschfahrzeug 24/50 in Dienst gestellt.100 Jahre FW Sprendlingen

Die Jugendfeuerwehr konnte dann 1987 ihr 25 jähriges Bestehen feiern. Bereits im Jahr darauf wurden am gleichen Tag bei der Firma Metz in Karlsruhe ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16 und eine neue Drehleiter DLK 23/12 in Empfang genommen und nach Sprendlingen überführt.
Durch die Orkane „Wiebke“ und „Vivien“ kam es Anfang 1990 auch bei uns zu einer sehr großen Anzahl von Unwettereinsätzen. Im Verlauf des Jahres 1991 wurden der Rüstwagen RW 2/Kran in Dienst gestellt und die neue Einsatzbekleidung aus Nomex 3 beschafft.

Da mittlerweile die Platzreserven an der Schulstraße restlos aufgebraucht waren, beschloß die Stadtverordnetenversammlung am 25.02.1992 den Neubau eines Feuerwehrhauses für unsere Wehr. Mit diesem Beschluß ging nun eine seit Jahren bestehende Notwendigkeit in Erfüllung. Im Sommer 1994 konnte mit dem Spatenstich der Neubau der Feuerwache an der Hainer Chaussee endlich beginnen.
Neue Wache Hainer ChausseeDie offizielle Einweihung und Übergabe des neu gebauten Feuerwehrgerätehauses erfolgte schließlich am 04.07.1996.

Von 1879 bis zum heutigen Tage hat sich bei der Feuerwehr Sprendlingen viel getan. Anfangs nur zur Bekämpfung von Bränden gegründet, entwickelte sie sich zu einer heute mit modernster Technik ausgestatteten Wehr, die das gesamte Spektrum von der technischen Hilfeleistung bis zur Brandbekämpfung beherrschen muß.

Die Zahl der jährlichen Einsätze steigerte sich von damals einzelnen auf jetzt etwa 250 Alarme im Jahr, die seit 125 Jahren ehrenamtlich geleistet werden.

Möge das, was damals durch 8 einsichtige Männer begonnen wurde und im Laufe der letzten 125 Jahre fortgeführt wurde, auch in Zukunft zum Wohle der Bürger Bestand haben.

 

Ihre Freiwillige Feuerwehr Sprendlingen

Wir passen auf Sie auf !

 

 

Diese Chronik wurde anläßlich des 125-jährigen bestehens im Jahre 2004 erstellt von Uwe Zeißler, Sascha Bernhard und Jürgen Becker.

 

 

 

 

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